#10 Zwischen Felsen, Bühne und Ego

Shownotes

Für diese Folge ist Marlen Bruckner nach Wunsiedel zu den Luisenburg-Festspielen gereist – an einen Theaterort, an dem Felsen, Natur und Bühne auf ganz eigene Weise zusammenkommen. Dort trifft sie die künstlerische Leiterin Birgit Simmler und den Schauspieler Manuel Karadeniz zu einem Gespräch, das schnell weit über einzelne Inszenierungen hinausführt.

Es geht um den Weg, den ein Stück nehmen muss, bevor es auf die Bühne kommt, um die Frage, wie Theater für einen ganz bestimmten Ort entsteht, und darum, was künstlerische Arbeit eigentlich ausmacht, wenn Leidenschaft, Handwerk und Leitung zusammenkommen. Birgit Simmler spricht über ihren Werdegang, über ihre Erfahrungen im Broadway-Umfeld und darüber, wie aus Ideen konkrete Stoffe und schließlich Aufführungen werden. Manuel Karadeniz erzählt von der Schauspielerperspektive, von Präsenz, Spielfreude und auch vom Thema Ego in einem Beruf, der von Ausdruck und Verletzlichkeit gleichermaßen lebt.

So entsteht ein Gespräch über Theater als Kunstform und Arbeitswelt, über große Momente auf der Bühne, über Natur, die sich nicht ausblenden lässt, und über das besondere Glücksgefühl, wenn am Ende alles zusammenpasst.

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Musik: Free Music Archive / Sense - Sergey Cheremisinov Diese Podcastfolge entstand in bezahlter Zusammenarbeit mit den Luisenburg-Festspielen

Transkript anzeigen

00:00:00: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge.

00:00:03: Ich bin Marlene Bruckner, für diese Aufnahme bin ich nach Wunsiedel zu den Luisenburg-Festspielen gefahren.

00:00:09: Ich war davor tatsächlich noch nie in einem Freilufttheater und ich war total beeindruckt!

00:00:15: Diese riesige, interessante Bühne.

00:00:17: Die Felsen, die über allem aufragen und diese Naturkulisse, die dem Theater noch mal eine ganz eigene Wucht gibt!

00:00:24: Die künstlerische Leiterin Birgit Simmler – eine sehr, sehr fröhliche und warmherzige Frau hat mich zunächst durch die Katakomben des Festspielhauses geführt Vorbei an Werkstätten, Kostümen und den vielen Menschen dem Hintergrund dafür sorgen dass so ein Abend überhaupt möglich gemacht wird.

00:00:41: Später haben wir uns dann gemeinsam mit dem Schauspieler Manuel Karadenis zusammengesetzt und unser Gespräch gestartet Und ich kann jetzt schon sagen man hört den beiden ihre Leidenschaft für das Theater wirklich an.

00:00:51: Genau das mag ich in solchen Gesprächen so gerne wenn Menschen nicht einfach nur im Beruf sprechen sondern auch so richtig dafür brennen.

00:00:59: Wir sprechen über Stückentwicklung, über Ego im Schauspielberuf.

00:01:03: Über die Wucht dieser besonderen Bühne.

00:01:05: Über Naturmomente, die sich in eine Aufführung einschreiben und über dieses riesige Glücksgefühl wenn am Ende einfach alles zusammenkommt!

00:01:15: Ich wünsche euch ganz viel Freude beim Hören!

00:01:20: Ich freue mich, wenn ihr euch jetzt mal ganz kurz vorstellt oder länger weil ihr habt ja beide einen tollen Lebenslauf.

00:01:36: Birgit kannst du mal anfangen wer bist?

00:01:38: Du bist hier die künstlerische Leitung aber du hast ein wahnsinnigen Lebenslauf von New York bis Wien bis Wo man überall schon war, bitte stelle ich doch mal kurz vor.

00:01:47: Ja also ich bin Birgit Simmler und die künstlerische Theaterleiterin der Luisenburg-Festspiele.

00:01:52: Ich bin Regisseurin, Autorin und Künstlerischer Produzentin.

00:01:56: Bin sehr stolz auf den Entwicklungszweig, den ich hier auch installieren und betreuen durfte.

00:02:02: Ich bin ausgebildete Philologin an der FU Berlin und der Duke University North Carolina, wo ich den Broadway-Produzenten Manny Asenberg kennengelernt habe.

00:02:11: Bei Manny habe ich Broadway Producing gelernt und durfte dann am Broadway bei ihm arbeiten, wenn er in ihrer Simonproduktion betreuen.

00:02:20: Executive Master in Art Administration von der Universität Zürich und von der Uni Berkeley.

00:02:26: Und so wichtige Stationen im Lebenslauf waren sicher erstmal in Berlin, ich habe in der freien Szene angefangen selber Theater zu machen und zu produzieren und hatte parallel immer große Projekte die ich als künstlerische Projektleiterin betreut habe.

00:02:40: Theater der Welt bis da so eins der Anfangsprojekte und bin dann gewechselt ans Rheim- und Theater nach Wien, habe in Wien Roman Polanski's Tanz der Vampira als Resident Director Produktionsleiterin betreut.

00:02:53: Danach die Folgeproduktion.

00:02:55: Joseph war beim Klangbogen Wien dem größten Opernfest der Welle lange als ProjektleiterIn und habe die Eröffnung des Wienermuseumsquartiers mitbetreut.

00:03:05: Dann bin ich zurück nach Berlin, habe mich weiter ausproduzieren, auch mit eigenem Geld gestürzt und eigenen Projekten.

00:03:12: Bin auf Europa-Tournee gegangen mit verschiedenen Tournierunternehmen unter anderem der Companions Opera Amsterdam Und dann auf dem Kreuzfahrtsschiff einmal um die Welt Mit meinem Mann gemeinsam und wieder zurück.

00:03:24: Ich dachte jetzt vielleicht mal irgendwo fix bleiben hab geheiratet habe ein Kind bekommen und habe mich dann auf den ländlichen Raum Fokussiert und da auf die Entwicklung von Kultursachen war in der größten Freilichtbühne Nordrhein-Westfalens, Amateurbühnen, Freilichbühner Hallenberg wo ich zehn Jahre inszeniert habe.

00:03:42: Hab in Nordhessen im Biedenkopf war ich Gründungsintendantin der Schlossfestspiele mit eigenem neu geschriebenen Musiktheaterstücken Und bin von da jetzt Hier bei den Luisenburg-Festspielen seit zehn Jahren und war parallel die letzten vier Jahre noch erste Vorsitzende der Deutschen Musical Akademie.

00:04:01: Ich glaube, jetzt habe ich alles durch!

00:04:03: Jetzt kann ich nur noch mit Reisen und Dings... oder in die Angeberunde gehen?

00:04:08: Ich glaub Manuel, ich geb mal weiter!

00:04:11: Ja vielen lieben Dank.

00:04:13: wie du sagst was soll da noch kommen.

00:04:15: Manuel vielleicht magst Du dich auch mal kurz vorstellen.

00:04:17: Ja hallo, ich bin Manuel Karadenes und ich bin ausgebildeter Schauspieler aber auch im Musical unterwegs Und bin jetzt mittlerweile meine vierte Saison hier auf der Luisenburg.

00:04:27: Ab ersten Mal geht es los mit der Rocky Horror Show, mit den Proben.

00:04:30: Ich wollte glaube ich schon mein ganzes Leben lang Schauspieler werden, habe mich aber nie getraut.

00:04:34: Ich hab im Kindergarten schon begonnen als Weihnachtsmann dann in der Grundschule den Frederik der Mäuserich gespielt und dann bei den Domspazen in Regensburg.

00:04:43: da war ich neun Jahre auf der Schule und war wirklich in ganz Europa unterwegs auch mit Aufenthalten China und in Chile.

00:04:54: Das war aber dann mit einem anderen Chor, nicht mit dem Domspotzen, das war danach.

00:04:57: Aber ich bin jetzt glaube ich schon das... ...von zwanzigste Jahr professionell wenn man das mit den Domspotsen dazuzählen darf auf der Bühne.

00:05:04: Und es fühlt sich trotzdem immer wieder ... wie das erste Mal an, wenn man auf die Bühne geht.

00:05:08: Ich habe dann nach den Donen-Spatzen erst mal meine Bundeswehr absolviert... da war es noch Pflicht!

00:05:13: Dann hab ich studiert, erst Sprachwissenschaften mit Musikwissenschaftem im Bachelor und dann noch Sprecherziehungen dazu.

00:05:21: Hab nebenbei um mir das Studium zu finanzieren beim Radio gearbeitet,... ...dann auch beim Lokalfernsehen und bin dann ab dem Jahr zwei Tausend siebzehn eben auf die Schauspielschule gegangen.

00:05:31: Und das erste mal wäre zwanzigzwanzig gewesen dass ich hier auf der Bühne hätte stehen dürfen in Wunsiedel.

00:05:38: Da war dann aber ja diese weltweite Pandemie und zwanzig, einundzwanzig war es erstmal hier mit der Name der Rose.

00:05:43: Zwanzig-vierundzwansichter mit der Watzmann ruft letztes Jahr mit drei Stücken dabei genau die drei Musketiere, dann Seele für Seele und da bin ich noch eingesprungen bei Hoppelpoppel oder Jean Pauls Zauberland um dieses Jahr.

00:05:58: Das freu ich mich ganz besonders auf die Rocky Horror Show.

00:06:01: Ja, sag mal welche Rolle du spielst eine ganz besondere?

00:06:04: Da bin ich der Frankenfurter!

00:06:06: Super und du freust dich.

00:06:07: Ich freue mich sehr.

00:06:08: das ist ja es für viele und auch für mich eine Traumrolle.

00:06:13: Ich glaube es

00:06:13: wird

00:06:14: richtig viel Spaß machen.

00:06:15: der Peter Honecker der Regisseur und ich haben mir schon beim Watzmann Ruf zusammen gearbeitet.

00:06:19: da hatten wir eine gute Zeit Und ich denke und hoffe dass wir diesmal auch haben werden.

00:06:25: Tolles Ensemble auf dieser tollen Bühne.

00:06:27: Wirklich, wirklich tolle Leute mit denen ich auf der Büh ne stehen darf aber auch rundherum mit Kostümmaske und alles das sind... Ich hab gerade sind wir eben durch die Katakommen gelaufen da durfte schon die ersten Ausschnitte sehen von den Kostümen.

00:06:39: Ich habe es nur gar nicht... Du durftest glaube ich noch gar nichts sehen!

00:06:42: Aber ich bin schon mal sehr begeistert von dem was ich gesehen habe.

00:06:46: Vielen Dank Was würdet ihr denn sagen?

00:06:48: Einfach mal als Einstiegsfrage, weil ich bin heute auch zum ersten Mal da.

00:06:52: Ich durfte die Bühne sehen so eine Freiluftbühne.

00:06:54: das ist natürlich was ganz Besonderes.

00:06:56: also man ist mitten in der Natur.

00:06:58: ihr habt mir gezeigt man spielt total hoch es ist breit hoch groß es ist total imposant.

00:07:03: Was ist denn das erste was man verstehen muss wenn man an diesen Ort kommt?

00:07:07: Man muss mit der natur spielen.

00:07:09: Also die natur hat eine unglaubliche archaik und eine gewalt Und das muss man nutzen.

00:07:16: Das ist zum einen natürlich Optik, wer kommt wann von wo und wie sieht man die Darstellenden?

00:07:22: Wie setzt man die am besten in Szene.

00:07:24: Der andere Sache ist hier aber dass man wirklich extrem tief und wahr in die Emotion gehen darf und muss um auf dieser Bühne zu bestehen.

00:07:35: und ja dadurch... Man kann gar nicht groß genug werden in der Emotion.

00:07:39: es wird nie kitschig wenn man diese riesen Natur dahinter hat und dadurch ist man vom Spielstil.

00:07:45: Ich glaube, es ist sehr gefordert.

00:07:47: Aber das kannst du als Spieler vielleicht noch mal anders erklären.

00:07:52: Es ist ein anderes Spiel als in einem Innenraum geschweige denn im kleinen Raum und trotzdem erreichen wir eine unglaublich hohe Emotionalität in dem Ganzen.

00:08:01: Manuel was sagst Du für Dich auf der Bühne?

00:08:04: Ja ich kann dem allem nur beipflichten, dass man muss glaube ich einfach alles geben auf dieser Bühne.

00:08:10: Die Leute merken wenn da nicht genug Energie da ist oder dann sagt das ganze ab.

00:08:14: Man muss die Bühnen, hört sich so blödern aber atmen irgendwie ein tolles Gefühl dafür bekommen und dann die Leute mitreißen.

00:08:24: mit seiner Energie fangen und begeistern.

00:08:26: Und da muss einfach ganz, ganz viel kommen von einem als Darsteller.

00:08:30: Und hast du auch eine andere Energie auf so einer Bühne dann wenn du runtergehst als einer normalen geschlosseren Bühnen oder nicht in der Natur?

00:08:36: Du meinst wenn ich jetzt danach runtergehe?

00:08:38: Genau für dich selber was macht es mit dir?

00:08:40: Also ich habe es vorhin beim Vorgespräch schon kurz angesprochen.

00:08:42: letztes Jahr bei den Musketieren mussten ich und Andere auch sehr viel fechten und rumlaufen.

00:08:48: aber auch in den ruhigen Szenen musste man immer hochkonzentriert sein und danach ist man schon fertig.

00:08:55: Also es kostet einfach unglaublich viel, ich spiele zurzeit auch extra Wurst an einem ganz kleinen Theater und da gehe ich dann nach unten und habe gesagt ja das ist gut gelaufen fast schon alles gut und hier denke ich mir wahnsinn

00:09:09: körperliche Anstrengungen geschafft.

00:09:10: aber positive Anstremmung ist was denn?

00:09:12: weil man hoffentlich eben die Leute für das Stück für die Figuren und die Geschichte begeistern konnte.

00:09:19: Birgit, wir machen gleich mit dir weiter.

00:09:21: Du hast ja am Anfang schon erzählt wo du überall warst?

00:09:23: Was hat dich denn hier an der Loisenburg so künstlerisch besonders gereizt?

00:09:27: Also ich mache schon ganz lange Freilichtbühne!

00:09:29: Ich habe von Anfang an eine Faszination gehabt mit diesen besonderen Räumen.

00:09:33: Das ging wirklich schon mit dem Theater der Welt los, wo wir in Berlin Sachen zwischen den großen architektonischen Baustellen, die es damals in der Wiedervereinigung gemacht haben.

00:09:44: Mit Bewegungs- und Winkerkoreografien, die eher von Schiffen runter kamen – das war total spannend!

00:09:53: Wenn's irgendwie einen besonderen Ort gibt, dann ist das diese.

00:09:57: Und tatsächlich ist mir ... eben durch die vielen Großstädter und die verschiedenen Orte, die ich bereist und an denen ich Theater machen durfte.

00:10:05: Habe ich so eine Liebe zum Land entwickelt?

00:10:08: Weil mein Gefühl ist dass man auf dem Land diese ganzen sozialen Strukturen wie Sachen ineinandergreifen und die Wirkungsweise von Kultur und das Ursprüngliche dieses auch die Wirksamkeit noch mal ganz anders erlebt als in so einer ganz ausdifferenzierten Szene einer Großstadt wie Berlin, wo ich groß geworden bin.

00:10:28: Und wo dann klar war, wenn man der und der Typ ist, geht man die Volksbühne und die gehen ins Deutsche Theater oder Maxim Gorki.

00:10:35: Hier kommen halt irgendwie alle!

00:10:37: Man muss sie alle abholen – das finde ich eine ganz tolle

00:10:40: Herausforderung.".

00:10:41: Und jetzt entwickelst du ja auch Stücke.

00:10:42: Jetzt kannst du mal vielleicht für die Zuhörer und Zuhöhrerinnen, die sich gar nicht auskennen, die vielleicht noch nie darüber nachgedacht haben wie überhaupt so ein Stück entwickelt wird man bisschen erzählen Wie fängt es denn an ganz praktisch?

00:10:53: Ist das ein Bild ist eine historische Figur, die dir durch den Kopf geht?

00:10:56: Ist es eine Recherche?

00:10:58: ist es ein Traum?

00:10:59: Du machst auf und sagst Das will ich machen Es

00:11:01: ist tatsächlich ein Teamprozess.

00:11:03: Also natürlich hat man Sachen die einen selber interessieren Sachen wo man denkt Die sind für die Bühne cool und Künstler mit denen man gerne zusammenarbeiten möchte und Künstlerin.

00:11:11: Und dann wirft man sich die Bälle zu, als erstes steht immer die Begeisterung, die Leidenschaft.

00:11:19: Wenn man merkt in dem Stoff steckt das drin und das drinnen und das spielerisch drin.

00:11:24: Das wollen wir erzählen!

00:11:25: Das kann man den Leuten mitgeben.

00:11:27: Kommt zu tollen Situationen.

00:11:31: Die Leute in ihrem Fühlen abholen was eine Relevanz hat für heute.

00:11:35: Dann fängt man an zu sagen okay wie erzähle ich das?

00:11:39: Wer schreibt es?

00:11:40: wird inszeniert, wie baue ich das Team?

00:11:42: Wie baut man das Ganze auf?

00:11:44: und das Schöne gerade in diesen Großproduktionen ist dass man sich dann die Bälle zuspielt.

00:11:48: Und immer sein spezielles Team an Kreativen hat mit denen man das auslotet und wo das bespiegelt wird.

00:11:56: Also es ist tatsächlich für mich ein Prozess und sehr handwerklich gesteuert.

00:12:01: Im Deutschen hat man ja noch häufig diesen Geniekult, da sitzt jemand einsam am Schreibtisch und dann ist der große Wurf da!

00:12:06: Und das ist der Große Klassiker.

00:12:08: als Philologin kann ich sagen stimmt alles nicht.

00:12:10: also Dürrenmatt hat jahrelang umgeschrieben, Goethe hat wollen wir gar nicht wissen wie lange er den Faust geschrieben hat von Urfaust, Faust I, Fauste II.

00:12:19: und dieses den Stücken Zeit lassen, zu reifen.

00:12:24: Zu sprechen im Gespräch bleiben mit den Mitwirkenden dann mit dem Publikum und einfach das immer weiter scharfen bis man was hat wo man denkt.

00:12:31: Das ist jetzt richtig toll!

00:12:34: Das is der Spaß am Ganzen.

00:12:36: Gibt es denn den Moment wo man sagt okay daraus kann man jetzt wirklich einen Abend machen?

00:12:40: Jetzt weiß ich's gibt so Schlüsselmomente in dem Prozess?

00:12:44: Ja schon ja schon.

00:12:45: also wenn ich selber schreibe ist dass bei mir der Moment der Recherche die Figuren zusammenbauen.

00:12:51: Man sagt, welche Handlungen und Situationen ergeben sich.

00:12:54: Wenn ich den ersten groben Handlungsfaden stehe... Das ist interessant!

00:13:00: Jetzt müssen wir es nur noch gut machen.

00:13:03: Und das Gegenteil?

00:13:04: Dass es auf dem Papier gut klingt aber du weißt die Bühne wird das nicht tragen oder das Stück ist das falsche für diese Bühnen?

00:13:11: Ja passiert meistens irgendwie schon auf dem Weg.

00:13:15: also wir entwickeln zum Beispiel gerade was.

00:13:16: da wollte ich selber was zu schreiben.

00:13:18: Ich habe keinen Zugang gefunden.

00:13:21: letzten Stoff, den habe ich dann glaube ich zu feministisch gedacht und irgendwann packte mir ein befreundeter Autor zufällig zum selben Stoff aus auf dem Tisch.

00:13:32: Verdammt das ist viel besser!

00:13:35: Man merkt irgendwie dass greift nicht und dann kann man so einen Prozess muss ihn auch unterwegs unterbrechen.

00:13:40: Kannst du das gut?

00:13:42: Ja

00:13:42: wirklich Tatsächlich also.

00:13:44: man hat hier einen extrem hohen Erfolgsdruck und so eine Entwicklung hat verschiedene Schritte.

00:13:50: Natürlich geht es erst mal, dass das Theaterstück Musical, also dass das Buch stimmt und dass man am Buch entwickelt.

00:13:56: Dann machen wir einen Workshop mit Darstellenden am Tisch dann machen wir erstmal Szenische Proben und das ist so eine Entwicklung die läuft durchaus über zwei Jahre.

00:14:08: den Autoren vermitteln wir ganz klar, wenn wir das Gefühl haben da funscht was nicht oder man kommt nicht zusammen.

00:14:13: Oder dieser Team Spirit entsteht nichts und dann wollen irgendwie vier Bäcker.

00:14:17: also muss als Team arbeiten.

00:14:19: und wenn aber viele Köche nicht zusammen am Rezept arbeiten sondern jeder etwas anderes kochen will, dann muss man auch mal unterbrechen und sagt ne da kommen wir nicht zusammen.

00:14:27: ich habe schon Projekte abgebrochen und dann sagt man okay bis zu der Ecke gearbeitet haben wird gezahlt, aber das Vertrauen ist nicht da dass das ein großes Publikum mit tausend neunhundert Leuten im Zuschauerraum erfüllt und ankommt.

00:14:42: Also wir gucken schon genau was wir warum machen weil unsere Experimentierbühne eben Tausend Neunhundert Besuchende hat.

00:14:51: Das ist ja bei dir so spannend, weil du bist wahnsinnig künstlerisch und gleichzeitig ja total wirtschaftlich.

00:14:56: Wie greift denn das ineinander?

00:14:57: Hast du da den Spagat sofort geschafft oder war es für dich echt eine Herausforderung?

00:15:02: Dadurch dass ich am Broadway gelernt habe, war's glaube ich also für mich so ein Given.

00:15:07: So macht man das eben!

00:15:08: Und tatsächlich war bei mir in der Schule meine besten Fächer waren Mathe und Wirtschaft.

00:15:14: Aber immer das Gefühl okay... Fahrt fürs Leben.

00:15:18: Also so mein Haus, mein Auto und mein Hund.

00:15:21: Nee, das ist es nicht!

00:15:22: Da ist mehr und hat mir den Bereich des künstlerischen eben erstmal so nach und nach ertastet und erschlossen Und dass es bei mir von Anfang an schön zusammengewachsen.

00:15:33: Insofern ist für mich tatsächlich die Herausforderung zu sagen ich habe was Das finde ich künstlarisch inhaltlich relevant Ich möchte es so darbieten ganz vielen Ebenen den Stoff erzählt kriege und wirklich möglichst eine möglichst breite Zuschauer-Schicht abhole.

00:15:51: Und da bin ich natürlich im Freilichtheater dann mit eben so einem großen Zuschaueraum, glaube ich auch ganz gut selber

00:15:57: abgemalt.".

00:15:58: Du machst doch alle zwei Jahre eine Eigenproduktion und eine Urauführung hier im Haus?

00:16:03: Das ist richtig!

00:16:06: Was reizt sich denn da ganz besonders daran?

00:16:08: Eine ziemliche Nummer, so alle zwei Jahre eine Ur-Aufführung zu machen.

00:16:11: Das ist eine ziemliche Nummer das ist wieder.

00:16:13: also ich habe mit Broadway Producing gelernt und das Broadway hat weniger Repertoire als bei uns sondern es wird eigentlich immer eher auf das Projekt des Einzelprojekts geschaut dass solange entwickelt und geschliffen und gemacht wird.

00:16:26: Wo es dann sagt, jetzt hat er über einen Auto redet.

00:16:29: Also da hat man auch eine Idee wie soll der Wagen neue Antriebsart?

00:16:33: Dann baut man Prototyp, dann wird er getestet, dann geht er wieder zurück ins Labor, dann wurde das weitergesprochen Und so ein Produktionsprozess bis in Anführungszeichen Serienreife erreicht.

00:16:45: Das dauert!

00:16:47: Dieser Prozess macht mir unglaublich viel Spaß.

00:16:51: Wie kriege ich ein Stück dahin, dass es dann wirklich für einen großes Publikum taugt?

00:16:59: Und als ich da nach Deutschland zurückgekommen bin und gemerkt habe naja das ist also schon alles sehr repertoirelastig und nen Auftrag heißt meistens man macht den ersten Entwurf und der geht sofort auf die Bühne und dann isst er Premiere Pardon, der erste Entwurf ist immer so mittelgut.

00:17:14: Also da kann man die besten Günstler haben.

00:17:16: Meistens braucht es halt ein bisschen Arbeit und weil wir das Gefühl dafür zu viel auch manchmal Talent gehoben aber nicht bis zum Ende geführt.

00:17:27: und da bin ich dann glaube ich eher Langstreckenläufer.

00:17:30: also da reicht die Begeisterung für die lange Strecke und nicht für mehrere Sprints und ich glaub dass geht dann über diesen Austausch Also mit Künstlern zu arbeiten, die sich gegenseitig die Bälle zuwerfen in den Prozess ist halt unglaublich schön und befruchtend.

00:17:48: Und ich will so ein Prozess auch gar nicht dominieren sondern jeder hat in dem Prozess eine Funktion und die muss gehört werden.

00:17:57: und dann kriegt man es eben auf allen Ebenen schick.

00:17:59: und da wir Sommerfestspiele sind haben wir die Zeit und die Möglichkeit im Winter vielleicht auch mal in einem Vorjahr über sowas nachzudenken und das zu machen.

00:18:08: Und das macht diesen Prozess schön und besonders!

00:18:11: Und dann landet ja diese Idee irgendwann ganz konkret in Körper und Stimme.

00:18:16: Da sind wir bei dir, Manuel?

00:18:17: Ja!

00:18:17: Bei dir wird es ja dann ganz besonders sichtbar was sich das ganze Team ausgedacht hat woran sie so lange gesessen sind.

00:18:24: du hast dann die Ehre zu übertragen für das Publikum.

00:18:28: Du spielst ja jetzt den Franken Förter an der Rocky Horror Show Eine Rolle die eine wahnsinnige Projektionsfläche auch bietet.

00:18:34: Was war denn bei dir der erste Gedanke als du gehört hast?

00:18:37: Du spießt diese Rolle.

00:18:39: Wow Das wird eine ganz große Aufgabe, habe ich mir gedacht.

00:18:42: Weil ich viele Kollegen habe für die ist das eine Traumrolle.

00:18:47: tatsächlich Ich komme ja eigentlich aus dem Schauspiel und deswegen hab' ich mich mit der Rocky Horror Show erst spät beschäftigt Hab jetzt aber wieder festgestellt dass es einfach ein wunderbares Stück ist, ein Kultstück eben Und ich habe mir jetzt alle möglichen Dokumentationen darüber angeguckt sehr, sehr viele Male angeguckt.

00:19:09: Einfach um ein Gefühl dafür zu bekommen, um das zu atmen dann und dass da auch bei den Proben ja einfach Ideen entstehen können?

00:19:16: Wie gesagt ich habe bis jetzt nur einfach gesammelt, angegückt gelesen auch viel über die Darstellenden und wie alles entstanden ist

00:19:23: Und hast du schon... ... ein Gefühl, was du dieser Rolle mitgeben willst.

00:19:27: Ich meine sie ist so ikonisch und die Leute haben schon etwas im Kopf ne?

00:19:33: Die kennen diesen Film, die kennen das Musical... Es ist einfach so ikonomisch.

00:19:36: ich kann mir vorstellen dass es erstmal wahnsinnig viel Druck für dich ist aber gleichzeitig auch so eine tolle Chance was von dir in diese wahnsinnige coole Rolle zu geben!

00:19:44: Ich weiß noch nicht genau was ich vielleicht reingebe.

00:19:46: Ich versuche natürlich das Beste rauszuholen was möglich ist.

00:19:50: Ich habe mir über jetzt schon bewusst Die Entscheidung getroffen, erst mal die Proben abzuwarten.

00:19:55: Also erstmal wirklich nur aufnehmen.

00:19:57: Deswegen habe ich den Film oft geguckt.

00:19:59: Ich hab diese Doku's geguckt viel gelesen darüber aber noch keine Entscheidung getrofft.

00:20:03: Oh da muss sich jetzt das machen!

00:20:04: Ich meine es sind schon ein paar Ideen entstanden, die habe ich mir auch aufgeschrieben... ...aber das ist alles kein Muss weil ich möchte mit Peter Hohenecker dann eben zusammenarbeiten und anderen allen und dann halt eben gemeinsam irgendwie was finden.

00:20:16: Und nicht schon wieder vorpreschen, das habe ich mir abgewöhnt.

00:20:19: Hast du da Kritik bekommen?

00:20:21: Nein, nicht von Birgit!

00:20:23: Das wollte ich auch noch mal sagen weil du in diesem Prozess gesagt hast dass du dir auch gerne etwas sagen lässt oder zurücksteckst, was du machst sowieso immer ist... ... bringst uns echt immer einen tollen Stoff.

00:20:36: Also bei Seele für Seele war das für mich richtig toll und dann hast du uns aber erlaubt, selber eben noch zu sagen hey was hast du denn für Ideen?

00:20:44: Und da warst du immer sehr offen und es schätze ich total... Es ist mir sowieso immer wichtig dass ich sagen kann was ich denke meine Ideen müssen nicht übernommen werden.

00:20:54: Ich muss die sagen dürfen und das war bei der Birgit immer der Fall.

00:20:58: Und ich glaube, wir haben diskutiert ja aber wir haben immer auf Augenhöhe und da bin ich noch sehr dankbar weil es macht auch nicht jeder.

00:21:06: Also wenn du irgendwas rumkritest dann... Das hat schon der und der gesprochen!

00:21:13: Das musst du jetzt auch machen und Birgitt ist dann einfach so Ja okay cool!

00:21:19: Ja ich meine es ist eine Branche Die ist nicht frei von Ego, muss man sagen.

00:21:23: Und wenn ein Auto was geschrieben hat und sagt jetzt hier bitte sprich das so und du sprichst es ganz anders, kann ich mir vorstellen dass das erstmal ins Ego geht?

00:21:30: Andersrum genauso!

00:21:31: Wenn du was liest und dir denkst so... Also das bin ich gar nicht und meine, ich könnte das besser rüberbringen indem ich es so und so sage.

00:21:38: Dann geht es vielleicht an deine Ego wenn er sagt nein sag's genau so!

00:21:43: Und ich glaube dass ist die hohe Kunst generell im künstlerischen Bereich oder egal wo eigentlich, dass man miteinander sprechen kann.

00:21:49: deswegen finde ich sehr schön dass du gesagt hast dass das mit der Birgit gut klappt und warum denn auch nicht?

00:21:53: Man arbeitet ja auch zusammen und das soll dann auch das beste Endprodukt werden.

00:21:56: am Ende

00:21:57: Ja, ich finde da ist jetzt über die Jahre auch eine Freundschaft entstanden oder so.

00:22:02: Oder ein Vertrauen in die Arbeit des anderen... Also du lässt mich ja viel probieren Birgit, da bin ich sehr froh.

00:22:08: drüben!

00:22:08: Macht auch nicht jeder.

00:22:09: und wenn du nimmst es gerne an und wenn's nichts gut ist dann sagst du, ah nee das kann nichts mach was anderes.

00:22:17: Und dann bin ich so froh weil dann wird nicht rumdiskutiert und ich sage, aha das ist nicht gut weiß ich Bescheid.

00:22:22: dann denke mir was Neues aus.

00:22:24: viele diskutieren Da an der Stelle, also ich finde gut was du machst.

00:22:30: Das ist echt schön!

00:22:31: Ich verstehe deinen Weg den du gehen willst und dann... Und die Birgit einfach sagt Nö, machen wir uns anderes.

00:22:36: Keil!

00:22:37: Ja nicht viel reden, komm mach.

00:22:39: Es ist halt Klarheit am Ende?

00:22:40: Aber das kann auch nicht jeder andere Leute freuen sich über dieses Haar ja und so.

00:22:44: aber ich bin da so.

00:22:45: bitte klare Ansagen für mich ähm und äh das ist es aber auch so.

00:22:49: Die Birgits, ich rede fast nur über dich aber ich sag's einfach mal ähm Ja, hey!

00:22:56: Ich glaube du gehst aber auch auf jeden so persönlich ein.

00:22:58: Du versuchst zu jedem persönlichen Zugriff zu bekommen und dann mit der Person immer auf seine Art und Weise das Beste aus der Rolle rauszuholen und dafür bin ich sehr dankbar.

00:23:09: Das macht eine gute Führungskraft aus.

00:23:10: Absolut!

00:23:12: Und du hast ja auch mit vielen, was du gerade angesprochen hast, das Ego zu kämpfen.

00:23:16: Jeder will sein eigenes Ding machen oder der fühlt sich eben nicht gewertschätzt grade und da bin ich genauso schuldig.

00:23:22: Da gibt es dann auch so ... Jetzt redet die schon die ganze Zeit mit dem... Ich mach hier meine Aufgabe richtig toll und hör nie was.

00:23:29: Man ist so kind auf der Bühne.

00:23:32: Aber ich finde, du findest da immer eine tolle Balance.

00:23:34: Du hast ja auch einen Beruf, der wahnsinnig verletzlich ist!

00:23:37: Also du zeigst dich wer du bist was du machst generell, schreiben ist verletztlich, spielen ist verlässlich singt, ist verlesslich... Ich finde den Satz ganz gut was du gesagt hast man wieder zum Kind.

00:23:48: Man sucht einfach noch Bestätigung weil sonst würde man dem beruf gar nicht so... wählen, auf die Bühne zu gehen kann man auch daheim in der Höhle irgendwie sitzen und da singen wenn es einem dann nicht wichtig ist.

00:23:58: Was ist denn für dich so?

00:24:00: bei jeder Show bei die du spielst?

00:24:02: Der einer das schönste Moment?

00:24:04: ist es was viele denken würden am Ende dann der Applaus oder ist es etwas ganz anderes?

00:24:10: ich glaube dass ist für jedes Stück individuell.

00:24:12: Ich habe immer eine Lieblingsszene wo's immer so ganz tolle Momente gibt Liebe.

00:24:18: jetzt zum Beispiel, letztes Jahr bei den Muskettieren war es so.

00:24:20: Da hat Vanessa Donnelly einen richtig tollen Soundtrack nur für dieses Stück geschrieben und da gibt's eben dieses Duell wo der Dataneon eigentlich mit jedem Einzelnen in der drei Muskettiere ein Duell hat.

00:24:33: dann werden die aber unterbrochen von Der Garde von Cardinal Richelieu Und dann kämpfen sie alle gemeinsam und finden in diesem Kampf eben zusammen und nach diesem Kampf kommt eine wunderbare Melodie von der Vanessa Donnelly während die Musketiere, die anderen drei alle sagen.

00:24:52: Wie toll sie jetzt den Daternion fanden?

00:24:54: Bravo!

00:24:55: Sehr tüchtig und so Sachen sagen die dann.

00:24:57: Und der Daterniore ist einfach so ein kleines Kind in dem Moment weil das sind ja eigentlich seine Helden mit denen er plötzlich aber auf einer Stufe ist, die erkennen ihn und sein Können an.

00:25:07: Und für mich das war der beste Moment in diesem ganzen Stück wo ich einfach teils sein durfte!

00:25:11: Der Musketiere, der kleine Manuel und die nehmen einen an.

00:25:15: also da ist mir persönlich oft eine Träne so runter auf der Bühne.

00:25:18: In dem Moment habe ich mir gedacht, das ist so geil.

00:25:21: Wahnsinn!

00:25:21: Ich glaube es gibt in jedem Stück immer so Momente.

00:25:23: Für mich gibt's da keinen Allgemeinen Applaus ist natürlich immer toll kurz bevor man auf die Bühne geht, diese Nervosität aber ich nenn's immer freudige Erregtheit.

00:25:31: Ich deute das einfach immer um in was Positives... Ja!

00:25:34: Bist du sehr selbstkritisch mit dir?

00:25:36: Absolut!

00:25:37: Wir können es bestätigen.

00:25:38: also ich glaube du hast viele Stories.

00:25:42: Nein ich zweifle ständig, zweifele alles an was ich tue Aber das treibt mich natürlich dann auch immer wieder nach neuen Lösungen, neuen Momenten irgendwas nach etwas besserem zu suchen.

00:25:53: Ich habe es ein bisschen zurückgedreht weil ich das Gefühl habe, dass diese Verbissenheit auch kontraproduktiv sein kann.

00:26:00: Und wenn man einfach in einer guten Stimmung ist, dann fällt einem mehr ein ständig nach.

00:26:07: Das war nicht gut!

00:26:08: Das war schlecht hier und da.

00:26:10: Und auch mal anerken, was man eigentlich gut gemacht hat.

00:26:13: Auch sich mal sagen, mal gucken, was passiert?

00:26:18: Wenn's dann nicht hinhaut, lieber sich mehr erlauben.

00:26:21: Aber es ist auch ein Prozess gewesen...

00:26:23: Das heißt, wenn du die erste Show spielst von dem Stück und die letzte.

00:26:26: Wie unterschiedlich ist es dann?

00:26:28: Oh ich versuche jedenfalls immer das zu machen was wir in den Proben ausgemacht haben.

00:26:33: Gleichzeitig möchte man sich's ja auch irgendwie dauernd lebendig halten.

00:26:37: also Wir haben unsere Straße und auf der fahre ich sozusagen Und dann bin ich mal ein bisschen weiter rechts Ein bisschen weiter links Mal fahrer ich ein bisschen schneller oder langsamer.

00:26:45: Hauptsache Ich komme nie von der Straße ab Außer, dass Stück erwartet ist.

00:26:48: Dass zum Beispiel eine Sequenz ist die geht vielleicht zehn Minuten und da darf improvisiert werden.

00:26:53: so was mag ich auch sehr gerne Und da es natürlich dann erlaubt aber ich versuche dann einfach immer das in der Spur zu bleiben

00:26:59: Was würdest du denn sagen?

00:27:00: Ist des Missverstandenste an dem beruf des Schauspielers

00:27:03: Das wir nicht arbeiten

00:27:06: Das ihr nur rum sitzt und wartet?

00:27:07: Das wir nur rumsanteln?

00:27:09: Okay Weil wir beschäftigen uns acht Stunden gemeinsam Den Rest des Tages noch alleine damit.

00:27:16: Wir gehen den Text durch, wir suchen nach Ideen und ich und viele andere Leute machen es so.

00:27:21: natürlich gibt's dann auch Leute die die schalten dann aus ist auch okay aber bei mir spuckt das die ganze Zeit im Kopf rum.

00:27:27: Ich kann da nicht abschalten weil es geht natürlich auch um mich Und was alle anderen dann von mir halten also da gehts um meine wie nennt man das würde Seele.

00:27:39: aber auch so.

00:27:40: im sozialen Gefüge einer Gesellschaft, wenn ich blöd bin auf der Bühne dann reden alle Leute über mich negativ.

00:27:47: Wenn nicht aber gut auf der bühne reden sie alle positiv über mich und das sind bin ich mir auch bewusst dieses sozialen Status ist ungefähr das spielt es auch eine Rolle.

00:27:54: Aber das ist halt eben das was wir gesagt haben.

00:27:55: wir gehen hier auf die bühnen weil wir gesehen werden wollen.

00:27:59: Also von mir, da ist irgendwas was nicht ganz bedient wurde vielleicht in der Kindheit oder so.

00:28:05: Schaut mich an, schaut mich an.

00:28:07: Das ist auf jeden Fall mit dabei.

00:28:08: Aber sehr gut wie reflektiert du das sagen kannst?

00:28:11: Kann auch nicht jeder!

00:28:12: Nein aber so ist es... Was soll ich sagen?

00:28:15: Ich stelle mir oft selber die Frage warum mache ich das überhaupt?

00:28:17: Da ist eben das dabei.

00:28:20: Ich möchte gesehen werden.

00:28:21: Manchmal denke ich mir, kann ich überhaupt was anderes machen?

00:28:24: Kann nicht was ... Aber ich hab auch keine Lust auf was anderes!

00:28:26: Ja dann?

00:28:27: Das

00:28:27: macht mich Spaß.

00:28:28: Machst du es so weiter.

00:28:29: Birgit wie ist das denn bei dir?

00:28:30: Wie kritisch bist du mit dir selber?

00:28:32: Ah, das kann ganz schön selbstverstörerisch werden also... Okay.

00:28:37: Ganz lieber toller Autorkollege der Andreas Steinhövel hat mir mal gesagt, Birgitt wenn wir nicht den Zweifel hätten dass wir es noch besser könnten Wir würden ja gar nicht weitermachen.

00:28:48: Also man sucht halt immer nach dem nächsten Schritt und was geht noch.

00:28:53: Und man überprüft sein Handwerk, und man lernt an den anderen.

00:28:57: Man lässt sich dauernd bespiegeln.

00:28:59: Manuel hat, will ich dir jetzt einmal kurz dazu sagen?

00:29:02: Dass du ja bester Darsteller geworden bist mit deiner Entwicklung von der Rolle in Seele für Seele.

00:29:08: Sehr schön!

00:29:10: Sollte man auch einmal dazusagen, dass das irgendwie ja fruchtet... Für mich ist der Moment, wo man von Autorin auf Regisseurin umschaltet.

00:29:19: Sachen häufig also eigene Stücke auch selber mache ganz lustig weil ich merke dass ich einen anderen Abstand kriege und dann liest jemand das und dann ist wie wenn man nur fremden Text hat denkst du was hatten die davon quatsch geschrieben?

00:29:30: oder das steht dem Menschen ja gar nicht.

00:29:33: Das heißt es ist langweilig das ist zu lange oder zu erklären und man dann diesen diesen Abstand Krieg zum eigenen Werk das muss man aber trainieren.

00:29:42: Also das ist nicht von Anfang an, so am Anfang findet man natürlich alles was man macht beim schönsten, tollsten Besten.

00:29:47: Da kommt aber noch mal nicht viel weiter mit, da sollte man dann vom Abstand nehmen und es... Aber wichtig ist, was Manuel auch gesagt hat, dass Ganze muss liebevoll betreut sein.

00:29:58: also wenn man Ideen von Kolleginnen Kollegen aufnimmt muss also eine Beschäftigung mit der Arbeit und einer Wertschätzung dabei sein, dann nimmt man das gerne an.

00:30:08: Und ich glaube es ist andersrum genauso als einen Darsteller, der sich auf der Bühne ja seelisch jeden Abend ein paar Donen nackig macht und wo man diese Echtheit spüren will und dieses Erlebnis haben – das kostet einen Darstellenden unglaublich viel!

00:30:23: Und dann verdient ein Darstellen da auch dass man ihn bei der Hand nimmt und dahin führt und gut spiegelt was wie wirkt und was man vielleicht noch mal versuchen kann eine extrem intime Arbeit und es ist eben eine Arbeit mit Gefühl und Emotionen.

00:30:38: Und das ist tatsächlich was... Das ist gar nicht so einfach zu lernen, dass hat viel mit Intuition zu tun.

00:30:46: also diese ganzen psychischen Vorgänge ist ja nun wirklich kein Schulstoff und da glaube ich braucht man immer nur Kunst auf Talent zu reduzieren.

00:30:56: Vollkommen der Blödsinn, da gebe ich Manuel hundert Prozent recht.

00:30:59: Aber man schärft ein Instrumentarium aber man scharf vieles davon auch ein Stück weit intuitiv und sehr persönlich weil man Persönlichkeiten Und Menschlichkeit in allen ihren extremen und Schattierungen auf die Bühne stellt.

00:31:15: Ich habe das Gefühl man wächst wirklich jedes Jahr und in jeder Arbeit weiter und entdeckt immer wieder Neues.

00:31:21: Jetzt kommen aber die Leute zu euch und sie lieben es.

00:31:23: Und sie schauen sich's an, und die Bühne ist grandios!

00:31:27: Was macht das denn mit dem Publikum?

00:31:28: Vielleicht Manuel kannst du so erzählen was du für ein Gefühl hast, was es mit dem Publikum macht... Das ist unter freiem Himmel also sitzt.

00:31:35: Das ist auf diesen riesigen Felsen schaut und euch dabei zuschaut.

00:31:40: Ich glaube es geht schon los beim Parken.

00:31:44: tatsächlich Die sind da unten am Parkplatz, fahren erst mal rauf und dann gehen sie diesen Berg hoch zu Louisenburg.

00:31:52: Sehen schon die Schilder von den ganzen Stücken, die da jetzt gespielt werden diese Saison kommen dann langsam zur Kasse und dann gehen sie in das Gebäude rein.

00:32:01: Und dann sieht alles eigentlich noch ein bisschen klein aus, tatsächlich!

00:32:04: Obwohl da große Felsen sind.

00:32:06: oder man geht zu die Treppe rauf und dann ist der das Foyer und es sieht noch so aha okay... Dann geht aber wieder die Treppen nach oben hier nachdem wo man aber reingeht und dann sieht man plötzlich diese wunderschöne riesengroße grüne graue Felsenbühne mit diesem riesengroßen Zuschauerraum.

00:32:23: Und das ist dann auch schon der erste Moment, wo die Leute glaube ich, wo den der Mund ein bisschen offen steht vor Überraschung und wenn dann eben noch alles zusammenkommt von Darstellern, von Musik, von Kostüm und auch Licht und Ton dieses Gesamterlebnis.

00:32:40: Das zieht die denn glaub ich wirklich für zwei Stunden in eine ganz andere Welt.

00:32:49: und vor allem ist es eben dieses im Theater, ist man auch wenn man einen geschlossenen Raum hat oder so in einer anderen Welt.

00:32:56: Aber hier ist es so als wäre man wirklich Teil davon weil's so natürlich is mit der Bühne.

00:33:01: also ich kann nur immer wieder sagen wenn ich auch im Publikum sitze das ist auch schwierig zu beschreiben aber es ist obwohl man dann vielleicht auch öfter weit weg sitzt Es sieht einfach fantastisch aus Und da sind noch so tolle Leute auf der bühne.

00:33:17: Man wird, glaube ich, extremer mitgerissen auf dieser Bühne.

00:33:21: Also du merkst schon einen Unterschied bei Publikum?

00:33:23: Absolut!

00:33:24: Auch als Spielender.

00:33:25: Ich finde vor zweitausend Leuten ist es fantastisch zu spielen.

00:33:28: Bei mir heißt sowieso immer wie größer desto besser und größer geht's nicht viel.

00:33:33: hier glaub' ich also das ist toll Vor allem, wenn man aber auch am Bühnenrand steht.

00:33:38: Man sieht die Leute ja auch weil es noch nicht ganz dunkel ist oder so und sie sind dann trotzdem sehr nah dran Und dann kann ich in die Gesichter gucken und sehe schon die Begeisterung.

00:33:46: Ich bringe jetzt immer wieder den datanion aus muskettieren Weil das halt aber auch jetzt das letzte war und weil man da so einen unmittelbaren Kontakt hatte und gleich hat man kann Es schon ein bisschen steuern auch wie die leute natürlich reagieren Ja und dass ist dann schön Wenn witz zündet oder in spruch oder so?

00:34:01: Und wenn man die gleich am Anfang packen kann Und das ist auch das Ziel, die da zu entführen in eine ganz neue Welt.

00:34:11: Danke!

00:34:11: Wir kommen jetzt schon zum Ende und ich würde euch gerne beide diese Frage stellen.

00:34:14: Manuel, wir bleiben gerade bei dir – du hast tatsächlich schon so einen schönen Moment rausgegriffen als sie selber die Tränen auch gekommen sind auf der Bühne.

00:34:22: aber vielleicht kannst du noch mal teilen was ist denn einer der magischsten Momente für dich hier in der Loosenburg gewesen?

00:34:27: Ganz toll war auch im Jahr zwanzig-einundzwanzig der Name der Rose des ganzen Stück.

00:34:31: Wir hatten ja wirklich Probleme mit der Pandemie und so, haben das dann irgendwie gewuppt.

00:34:35: Und uns überlegt erst mal mit Abstand usw.

00:34:37: Dann haben wir gesagt ne passt schon.

00:34:40: Also da waren es auch lockerer mit den Gesetzen oder wie auch immer.

00:34:43: das war aber... Der Song von Gunnar Fritsch, den er da gesungen hat.

00:34:48: ich weiß den Namen leider nicht mehr und da hat's glaube ich einmal richtig geschüttet.

00:34:52: Das ist ja auch immer auf der Freilicht-Bühne wenn plötzlich das Wetter mitspielt sagen wir oder gegenein spielt.

00:34:59: aber das war ein toller moment wo der gunner im strömenden regen diesen song gesungen hat.

00:35:04: ich habe es ja nur von der seitenbühne gesehen, aber alle standen an der seite bühne sowieso immer wenn er es gesungen hatte und Das war magisch.

00:35:12: danach musste glaube ich auch kurz unterbrochen werden.

00:35:14: Es war aber auch ganz gut weil die leute mussten glaube ich erstmal klar kommen wie gut das war.

00:35:18: Und dann jetzt hatte ich gerade noch einen zweiten moment im kopf.

00:35:22: Der fällt mir vielleicht später noch mal ein.

00:35:23: Okay, dann wer geht?

00:35:24: Was war denn dein magischer Moment bis jetzt?

00:35:27: Bei mir sind es meistens die Premieren... Wenn es dann zusammenkommt und klappt.

00:35:33: Und diese Verbindung von dem, was man sich vorgestellt hat, da kippt ja unglaublich viel Emotion ins Publikum... ...und die Emotion aus dem Publikums verbindet sich!

00:35:42: Es ist wirklich, also dieses Live-Erlebnis ist nochmal etwas anderes als eben wenn's zweidimensional oder Fernsehen oder Kino ist der entsteht einen Sog zwischen Darstellenden und Publikumen.

00:35:55: Und wenn das greift und die Sachen aufgehen, dann sind das so die Momente wo ich Auf der Seite stehe ich und einfach nur ruhig, dann gucke ich den Leuten so gern beim Feiern zu.

00:36:07: Und wirklich nur diesen Marken es funktioniert und dann ist sowas so ganz... Das war bei der Premiere-Nahme der Rose total der Fall.

00:36:16: das war der Premiere von Pep's in der Fall bei Sturm.

00:36:20: also wir hatten mehrere Stücke wo das geglückt ist und diesen Moment zur Ruhe zukommen und sagen Es hat was funktioniert und den Leuten beim Feiern zu gucken, finde ich großartig.

00:36:31: Hast du dann auch manchmal dem Moment wo du für dich selber sagst ja... ...ich bin im richtigen Job?

00:36:36: Ja tatsächlich!

00:36:37: Ich weiß das mir Ange so guckt mit dem ich was geschrieben habe hier kalte Freiheit über Flucht aus totalitären Regimen.

00:36:45: Flucht außer Tschecheslowakei, Achtzehn-Achdenvierzig Bau Eiserner Vorhang Der hat mich bei der Premiere umarmen und er sagt, siehst Du

00:36:53: Birgit?!

00:36:53: Das ist das warum wir es machen oder?

00:36:55: Es ist besser als Sex!

00:36:58: Und das war irgendwie so ein Spruch, wo ich dachte... Ja es ist ganz anders.

00:37:02: Aber eben auch dieses Glücksgefühl was man dann hat wenn etwas gelingt.

00:37:07: Ja und bei dir Manuel hast du das auch?

00:37:10: Dass du was machst.

00:37:11: oder du bist fertig oder du feiert danach.

00:37:14: und du denkst ja das ist mein Beruf?

00:37:16: Absolut!

00:37:17: Die Bühne ist mein Revier.

00:37:18: Und Ben Kingsley hat gesagt wir sind alle Jäger die dauernd nach wunderbaren Momenten suchen und genauso sehe ich mich auch.

00:37:26: also Ich bin ein Jäger nach Momenten oder vier Momente und vor allem hier auf dieser, es gibt ja unterschiedliche Bühnen.

00:37:33: Und jeder hat so einen anderen Geist.

00:37:34: das kann man gar nicht beschreiben.

00:37:35: aber du stehst da und es macht was mit dir genauso wie wenn du ein Kostüm anziehst oder sowas gibt sofort eine Haltung und dann gibt's Bühne die machen weniger und dann gibts Bühn wie hier.

00:37:45: Da hast du das Gefühl die Energie schießt nur auf dich ein.

00:37:48: Es hört sich so kitschig an Aber ich find´s einfach so weil ich diesen Raum liebe.

00:37:52: Ich liebe

00:37:53: diese Bühnel Und ich bin sehr, sehr froh dass sich hier spielen darf.

00:37:57: Mir ist noch ein Moment eingefallen

00:37:58: wenn ich das noch zeigen darf.

00:37:59: Das auch

00:38:00: wieder von Kollegen!

00:38:00: Also wie gesagt mein Lieblingsmoment ist vor den Musketieren da mit einer für alle und alle für einen.

00:38:04: aber ich habe mir selbst mal zwanzig dreiundzwanzig war Amadeus hier.

00:38:09: genau die Denäre von Amadeuse habe ich mir angeguckt und da war eine kleine Szene wo der Salieri mit dem Messer an seinem Hals drüber zieht.

00:38:20: umbringen möchte, glaub ich.

00:38:21: Und da hat's gedonnert?

00:38:22: Das war schon krass!

00:38:23: Es war nicht eingespielt und das war schon krasst.

00:38:26: aber es war die Ankündigung für den besten Moment der dann kam.

00:38:30: Und zwar Tersalieri trägt eben... Der Paul Kaiser trägt den Amadeus, den Philipp Moschitz irgendwann als er stirbt auf Händen nach vorne.

00:38:40: Und genau in dem Moment, als der Mozart der Amadeuse gestorben ist, hats zum Regnen angefangen.

00:38:46: Ich

00:38:46: hab mir gedacht, ich glaube die

00:38:48: spinn Erst das mit dem Donner und jetzt das.

00:38:53: Und es war einfach ein Ungl... Also, das passiert halt auf einer normalen Bühne nicht.

00:38:57: Dass das plötzlich so irgendwie ineinander greift.

00:39:00: Man kann sagen ja okay Zufall klar aber ich glaube da nicht mehr so dran.

00:39:03: Der Ort spielt mit?

00:39:05: Absolut!

00:39:05: Und dann ist natürlich die Leute des Stückes aus und alle sofort hoch gesprungen und applaudiert ohne Ende.

00:39:12: Das war eine der wunderbarsten Momente ever den ich sehen durfte im Theater überhaupt.

00:39:16: Sehr schön.

00:39:17: Danke, dass du ihn mit uns geteilt hast und ja ganz viel Erfolg bei der Rocky Horror Show!

00:39:22: Das willst du machen?

00:39:23: Du wirst deine ganz eigene Nuance mit reinbringen in diese ikonische Figur da bin ich mir sicher.

00:39:28: Und Birgit auch dir weiterhin ganz viel Glück mit diesen tollen Stücken, diesen tollen Uraufführungen an alles was du machst und natürlich auch mit deiner Begeisterung.

00:39:38: Die steckt auf jeden Fall an.

00:39:39: Vielen lieben Dank!

00:39:39: Dankeschön!

00:39:40: Tschüss!

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